3 gute Gründe, trotzdem loszulegen!

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Was vor Monaten als Blitzgedanke durch mein Hirn schoss, hat sich zu einer fixen Idee entwickelt:

Ich will schreiben. Ich will neu beginnen und anders weitergehen. Und ich will, dass meine Angsterkrankung für mich zu etwas Sinnvollem wird. Zu etwas, das mich motiviert, richtig in die Gänge zu kommen und dran zu bleiben. Aber auch zu etwas, das andere Menschen mit ähnlichen Geschichten ermutigt, die Ärmel hochzukrempeln und Mögliches zu versuchen.

Kurz: Warum nicht einen Blog starten? Warum auf einen besseren Zeitpunkt, auf DIE Gelegenheit, auf DEN Moment warten, wenn alles was ich brauche schon lange da ist? Warum nicht einfach loslegen? Den ersten Schritt tun? Dann den Nächsten?

Ich weiss nicht wohin diese Reise geht und ja, ich habe auch Zweifel und zu viele Gedanken, die mich davon abhalten wollen, auf mein Inneres zu hören. Trotzdem lass mich nicht daran hindern, meinen ersten Blog-Beitrag zu schreiben! Und das ist gut so. Denn jetzt habe ich den Mut, mich als Angsthase zu outen. Jetzt endlich ist es soweit! Jetzt bin ich bereit loszulegen!

(Wichtige Anmerkung: Der Begriff Angsthase ist in keinster Weise beleidigend gemeint. Ich bin mir der Ernsthaftigkeit des Themas durchaus bewusst, finde aber, Humor gehört hier unbedingt dazu.)

Wenn Du zu den ängstlichen Menschen gehörst oder an einer Angsterkrankung leidest, so weisst Du, wie schwierig es ist, Herausforderungen anzunehmen, vor denen Du Dich fürchtest. Alltägliches wie Bus fahren, Arztbesuche, Schlange stehen, Kontakte pflegen, nach draussen gehen, werden plötzlich zu einem riesigen unüberwindbaren Berg. Unmöglich diese Hürde zu nehmen! Die Angst und die damit verbundene Unsicherheit ist einfach zu gross, zu ungewiss, zu schrecklich.

Und schon ist wieder ein Tag vorbei, 2 Tage, eine Woche…ohne dass sich etwas Nennenswertes verändert oder verbessert hätte. Ich weiss wovon ich spreche. Gäbe es einen Pokal für Vermeidungstaktiken, ich hätte ihn schon längst in meinem Regal stehen.  Doch das Leben wartet nicht auf uns. Es wartet nicht auf den perfekten Moment oder die perfekte Stimmung. Es ist unsere eigene Entscheidung, ob wir jetzt ein Wagnis eingehen oder ob wir weiterhin in unserer Sicherheitszone verharren wollen.

Stehst Du demnächst vor einer Herausforderung? Bringt Dich nur schon die Vorstellung daran in arge Bedrängnis, Angst und Panik? Im Folgenden stelle ich Dir 3 gute Gründe vor, die mir schon oft geholfen haben, trotzdem loszulegen:

1. In Bewegung bleiben

Es spielt keine Rolle, wie gross die Schritte sind, die Du gehst. Wichtig ist nur das Gehen oder das Tun an sich. Überlege Dir den möglichsten ersten Schritt, den Du zu machen bereit bist. Was fällt Dir am leichtesten? Welches Teilziel überfordert Dich am wenigsten? Geh für einige Minuten vor die Haustür oder in Deinen Garten, wenn Du Angst hast draussen zu sein. Steigere dann die Zeit. Oder peile als weiteres Ziel den nächsten öffentlichen Briefkasten an. Bleibe in Bewegung. Übe. Wenn Du Dich vor öffentlichen Verkehrsmittel fürchtest, versuche trotzdem eine Station mitzufahren, dann zwei, drei…solange, bis Du Dich sicherer fühlst und weitere Schritte in Angriff nehmen kannst.  Trotz Angst das zu tun, wovor du Angst hast, ist enorm schwierig, ganz egal ob Du unter Panikattacken, einer Phobie oder einer generalisierten Angststörung leidest. Dennoch bleibt Dir (und mir) nichts anderes übrig als immer wieder zu versuchen, die Sicherheitszone zu verlassen, um langsam aber stetig zu lernen, eigene Denkmuster zu verändern.

2. Lebensqualität als Motivation

Unter Lebensqualität verstehe ich persönlich die Freiheit, das eigene Leben ohne psychische und physische Einschränkungen nach eigenem Gutdünken gestalten zu können. Erst durch die Angst ist mir bewusst geworden, welch immense Bedeutung der Begriff Lebensqualität eigentlich hat und wie selbstverständlich wir damit umgehen. Wenn ich mich überall und zu jeder Zeit frei bewegen kann, ohne dass ich mich durch meine Gedanken daran hindern lasse, so ist das Lebensqualität. Wenn ich spontan entscheiden kann, ans Meer zu fahren, ins Kino oder an ein Konzert zu gehen, Freunde zu besuchen, die nicht gleich um die Ecke wohnen oder beim Italiener gemütlich essen zu gehen, ohne nervös zu werden, weil die Pizza nicht subito! vor mir auf dem Teller landet, so ist das Lebensqualität. Für sehr viele Menschen sind dies normale, ganz alltägliche Situationen, an die kein einziger Gedanke verschwendet wird. Glücklicherweise. Menschen mit Angststörungen jedoch, brauchen Mut und Überwindung, um sich so viel Lebensqualität wie möglich zu sichern. Indem ich mir gerade bei schwierigen Herausforderungen vor Augen führe, wie wunderbar es sein wird, wieder unbeschwert und angstfrei zu leben und indem ich mir sage, dass ich hier und jetzt etwas dafür tun kann, um meine Zukunft zu verändern, motiviert mich das, die vor mir liegende Hürde nicht als unüberwindbar zu sehen, sondern als einen weiteren wichtigen Schritt auf meinem Weg in ein für mich stimmiges Leben.

3. Selbstvertrauen stärken

Selbstvertrauen zu haben bedeutet, dass Du Dir selber in einer bestimmten Tätigkeit oder Situation vertrauen kannst und genau weisst: Ich schaffe das! Ich kann das bewältigen! Je mehr Selbstvertrauen Du entwickelst, desto sicherer wirst Du Dich fühlen und desto eher traust Du Dir zu, über Deinen Tellerrand hinaus zu schauen und ein Wagnis einzugehen. Ist ja alles schön und gut, denkst Du Dir jetzt vielleicht. Aber woher nehme ich denn das Selbstvertrauen, dass ich brauche, um die Dinge zu tun, vor denen ich mich fürchte? Wie kann ich meinen inneren Angsthasen dazu bringen, einfach mal die Klappe zu halten, damit ich überhaupt dazu in der Lage bin, Selbstvertrauen aufzubauen? Nun…die Antwort ist gleichermassen leicht wie sauschwierig: Indem Du genau das tust, wovor Du Dich fürchtest, schaffst Du Selbstvertrauen! (Meine Therapeutin hätte jetzt ihre helle Freude an mir. Viele Grüsse an dieser Stelle.) Jede Angstsituation, der Du Dich stellst, gibt Dir ein Stückchen Freiheit wieder und lässt Dich innerlich wachsen. Es hat lange gebraucht, bis ich begriffen habe, dass die Angst nicht einfach so verschwindet und dass Selbstvertrauen nicht einfach auf den Bäumen wächst. Bildlich gesprochen natürlich. Ich muss etwas dafür tun. Ich muss dafür kämpfen. Und mutig genug sein, trotz Angst zu springen. Nur so kann sich Selbstvertrauen entwickeln. Und nur so lerne ich, mich sicherer zu fühlen. Klappt nicht immer. Aber wenn, dann möchte ich das Glücksgefühl, das ich in diesen Momenten empfinde, für nichts auf der Welt eintauschen.

Wie ist das bei Dir? Was hilft Dir dabei loszulegen? Welche guten Gründe motivieren Dich dazu, zu springen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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Veröffentlicht in mut

2 Gedanken zu “3 gute Gründe, trotzdem loszulegen!

  1. Wenn man tatsächlich mal in der Situation war kaum mehr aus dem Haus gehen zu können und jeder Spaziergang, jeder Supermarktbesuch, eine Herausforderung war, dann ist es unglaublich schön und wundervoll, wenn man irgendwann wieder einen „normalen“ Alltag leben kann. Ich kann also nur zustimmen, dass der Begriff Lebensqualität eine ganz neue Bedeutung bekommt. Was für andere normal ist – zum Beispiel mit Freunden in einem Lokal essen gehen – war für mich lange Zeit nicht möglich. Und als es dann wieder möglich war, habe ich es soooo genossen und innerlich gefeiert! Ich wünsche niemanden Ängste – aber wenn man dem Ganzen etwas gutes abgewinnen will, dann die Tatsache, dass man die kleinen Dinge des Lebens wieder zu schätzen und zu genießen lernt.

    Gefällt 1 Person

    1. Da bin ich ganz Deiner Meinung:)!!! Da wir vieles wieder neu lernen müssen, bekommen wir einen ganz anderen, intensiveren und bewussten Blickwinkel auf all die Situationen, die lange nicht mehr möglich waren. Dies ist eindeutig ein Pluspunkt des Ganzen. Und ich bin alles am geniessen, was wieder möglich ist:)!!!

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