Ich bin wie ich bin

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Wenn ich Dich fragen würde, wieviele Menschen Du kennst, die sich nicht trauen aus dem Haus zu gehen, zu reisen, in einen Lift zu steigen oder mit anderen zu kommunizieren, was würdest Du mir wohl antworten? Und wenn ich von Dir wissen möchte, wieviele Menschen Du kennst, die nicht mehr in der Lage sind, sich frei zu bewegen, weil die Angst im Laufe der Zeit immer stärker geworden ist, wie sähe Deine Antwort aus?

Ich bin jetzt mal so frech zu sagen, dass es nicht allzu viele sein werden. Schätzungsweise ein, zwei Personen, die Du näher kennst oder von denen Du etwas munkeln gehört hast. Wenn überhaupt. Bitte korrigiere mich, falls ich mit meiner Behauptung falsch liege.

In Europa leben ca. 742 Millionen Einwohner (auch hier darfst Du mich korrigieren). Davon leidet jeder Siebte an einer Angsterkrankung. Heisst konkret, 106 Millionen Menschen in Europa haben mit verschiedensten Ängsten zu kämpfen.

Nur, wo sind die denn alle? Sind das dann vielleicht die, die sich nicht aus dem Haus trauen oder was? Irgendwo müssen sie ja sein. Aber wo?

So verbreitet die Angst auch ist, gesellschaftsfähig ist sie deswegen noch lange nicht. Angst wird immer noch versteckt, verdrängt und verschwiegen. Und dass Du niemanden kennst, der offen mit seinen Ängsten umgeht, liegt daran, dass Angst immer noch als Schwäche betrachtet wird, als Tabu-Thema und als persönliches Versagen. Darüber wird nicht gesprochen. Zu gross ist die Scham, sich nackig zu machen. Zu gross die Befürchtung, dass die Leute sagen oder denken könnten: wie peinlich ist das denn?

Ich selber war sehr lange sehr gut darin, meine Angst zu verbergen. In meinem Freundeskreis, auf der Arbeit, sogar in meiner Beziehung. Ich wollte nicht, dass irgendjemand sah, wie gross meine Unsicherheit in Wirklichkeit war und dass ich viele alltägliche Dinge mit der Zeit gar nicht mehr bewältigen konnte. Zu meiner Angst zu stehen hätte bedeutet, mein Gesicht zu verlieren und mir einzugestehen, nicht perfekt zu sein und den eigenen   Anforderungen nicht zu genügen. Es hätte bedeutet, die Fassade von Stärke aufzugeben und meinen Drang nach Kontrolle abzugeben. Und natürlich habe ich mich geschämt. Sehr sogar. Am meisten dafür, dass ich meiner Idealvorstellung von mir selber nicht mehr entsprechen konnte.

Heute weiss ich, dass sich nichts in mir verändert, wenn ich mich selber nicht so akzeptieren kann, wie ich bin. Und mir wird auch immer bewusster, dass ich mich für gar nichts schämen muss. Wieso auch? Bin ich weniger wert, nur weil ich Angstgefühle habe? Oder nicht so funktioniere, wie unsere Leistungsgesellschaft es verlangt? Bin ich deswegen ein schlechterer Mensch? Peinlich? Oder verrückt? Was meinst Du?

Meine Angst verlangt immer stärker, dass ich zu ihr stehe. Deshalb dieser Blog und jetzt auch dieser persönliche Beitrag. Und auch wenn wir meistens nicht einer Meinung sind, die Angst und ich, dieses Mal gebe ich ihr recht und überlasse ihr das Kommando. Denn es fühlt sich gut an was ich hier tue und ich weiss, es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. In diesem Sinne:

Ich bin wie ich bin und das ist genau richtig so! 🙂

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht in mut

2 Gedanken zu “Ich bin wie ich bin

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