Das kleine Wörtchen „aber“

Unbenannt

Worte haben die Kraft uns aufzubauen, zu trösten und zu beruhigen oder uns zu entmutigen, zu lähmen und zum Weinen zu bringen. Fakt ist, dass Worte unsere Gefühle stark beeinflussen können. Es macht nun mal einen Unterschied, ob ich zu mir sage: „Jetzt habe ich das wieder nicht geschafft. Ich Trottel! Ich krieg einfach nichts auf die Reihe.“, oder ob ich sage: „Es ist ok. Ich habs versucht, das ist alles was zählt. Punkt. Aus.“

Rein grammatikalisch betrachtet ist das kleine Wörtchen „aber“ unter anderem einfach eine Verbindung zwischen zwei Sätzen. Völlig unspektakulär. Als ich die nachfolgende kurze Geschichte jedoch zum ersten Mal gelesen habe, wurde mir bewusst: So unschuldig wie das kleine Wörtchen tut, ist es ja gar nicht! Und mir ist etwas Wichtiges aufgefallen…aber lies zuerst selber:

Ein junger Mann kam zu einem alten Weisen.

„Meister“ sprach er mit schleppender Stimme: „Das Leben liegt mir wie eine Last auf den Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter diesem Gewicht zusammenzubrechen.“

„Mein Sohn“ sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln: „Das Leben ist leicht wie eine Feder.“

„Meister, bei allem Respekt, aber hier musst Du irren. Denn ich spüre mein Leben Tag für Tag wie eine tonnenschwere Last auf mir lasten. Sag, was kann ich tun?“

„Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden.“ sagte der Alte, noch immer lächelnd.

„Aber…“ wollte der junge Mann einwenden.

Doch der alte Mann hob die Hand: „Dieses „Aber“, mein Sohn, wiegt allein schon eine Tonne…“

(Quelle unbekannt)

 

Kennst Du das? Da macht Dir jemand ein nettes, ehrlich gemeintes Kompliment. Vielleicht weil Du ein wirklich leckeres Essen gekocht, ein tolles Bild gemalt oder einen echt guten Beitrag geschrieben hast. Vielleicht auch, weil Du heute besonders gut ausschaust. Und was sagst Du?: „Echt? Findest Du? Danke, aber siehst Du diese Augenringe?!!“ „Freut mich, dass Dir mein Beitrag gefällt, aber findest Du nicht, er ist zu lang, zu kurz, zu langweilig, zu nichtssagend?!!“ „Danke, aber ist das Gemüse nicht doch etwas zu weich gekocht?!!“

Hinter dem „aber“ Wörtchen versteckt sich ein ziemlich penetranter Kritiker, der nicht zulässt, dass wir uns und unsere Fähigkeiten eben ohne wenn und aber annehmen können. Wenn ich sage: „Mir geht es gut, aber…“, dann setzte ich den ersten positiven Teil sofort ausser Kraft und von gut gehen kann dann keine Rede mehr sein. Und wenn ich sage: „Der Tag heute war ganz in Ordnung, aber mein Chef ging mir fürchterlich auf die Nerven.“, dann kann der Tag noch so schön gewesen sein, das spielt dann keine Rolle mehr, denn der Fokus liegt alleine auf der zweiten negativen Satzhälfte.

Gerade für unsichere und ängstliche Menschen ist es wichtig, wieder vermehrt auf die eigene Stärke und das eigene Können zu bauen. Dazu gehört auch, alte und negative Muster zu erkennen, sie Schritt für Schritt abzulegen und durch neue positive Gewohnheiten zu ersetzen. Hier zwei Methoden, wie Du dem kleinen Wörtchen „aber“ und somit auch Deinem inneren Kritiker den Wind von den Segeln nehmen kannst:

1. Reihenfolge umdrehen

Drehe die Reihenfolge Deiner Gedanken oder Aussagen einfach um, so dass der negative Teil zuerst benannt wird. Auf diese Weise wird der positive Teil nicht abgeschwächt.

An Stelle von „Mir geht es gut, aber ich fühle mich etwas unruhig“, sagst oder denkst Du einfach: „Ich fühle mich etwas unruhig, aber mir geht es gut.“ 

Aus: „Ich habe es geschafft, aber es war schwierig“, wird „Es war schwierig, aber ich habe es geschafft!“

Und? Kannst Du den Unterschied spüren?

Statt Dich ausschliesslich auf Deine Mängel, Fehler oder Unsicherheiten zu konzentrieren, gibt Dir dieses einfache Hilfsmittel die Möglichkeit, die Dinge so zu sehen wie sie sind, ohne Schwieriges oder Negatives überzubewerten.

2. Ganz weglassen

Noch besser ist es, das kleine Wörtchen „aber“ gleich ganz zu streichen, auch wenn dies für Einige vielleicht etwas schwieriger sein könnte. Wer zu Perfektion neigt, der tut sich oft schwer damit, seine hohen Anforderungen runterzuschrauben und sich selber mit all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten zu akzeptieren. Wer jedoch anders weitergehen will, der kommt nicht drumrum, sich von verstaubten und behindernden Gewohnheiten zu lösen und deshalb:

„Mir geht es gut.“

„Ich habe es geschafft!“

„Lecker gekocht heute!“

Kein „aber“, keine Zweifel, keine Dramatik. Einfach eine positive Aussage ohne Bewertung. Jedoch mit grosser Wirkung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Das kleine Wörtchen „aber“

  1. Hi Stephanie, das ist ein sehr schöner Text und zwei gute Beispiele um das Aber zu neutralisieren. Ich kenne auch noch eine gute Möglichkeit das „aber“ zu entschärfen: Durch „und“ ersetzen. Dann darf beides sein. Mir geht es gut aber ich bin so nervös = Mir geht es gut und ich bin so nervös.

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    1. Hallo Jürgen, stimmt genau. Du hast recht. Da bin ich gar nicht drauf gekommen. Das „und“ macht möglich, dass eben beides sein darf und das alles so angenommen werden kann, wie es ist. Danke für Deinen Kommentar:)!

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