Warum es sich lohnt, ein Angsthase zu sein

Ein Leben ohne Angst ist ungesund.

Sogar gefährlich.

Und eigentlich gar nicht möglich.

Wir alle haben kleinere und grössere Ängste. Und jeder von uns ist schon mindestens einmal in seinem Leben an einen Punkt gekommen, in dem die Frage: „Wie geht es weiter?“ eine deutlich höhere Priorität bekam als: „Was zieh ich heute an?“. Das gehört zum Leben dazu und zeichnet uns, wie ich finde, eben auch als Menschen aus.

Hätte mir in den letzten Jahren jemand gesagt, dass es sich lohnen kann, Angstgefühle zu haben und dass Angst für viele Lebensbereiche eine echte Chance ist, dann hätte ich ihm

a) den Vogel gezeigt

b) oder Schlimmeres

Heute sehe ich das etwas anders. Vielleicht, weil ich nicht mehr nur aus Angst bestehe und etwas Abstand gewonnen habe. Vielleicht auch, weil sich das Bild, das ich mir von der Angst gemacht habe, im Laufe der Zeit verändert hat.

Ich weiss aber aus eigener Erfahrung, dass es schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, der Angst etwas positives abzugewinnen, wenn man mitten in der Angstspirale steckt. Da bleibt kein Raum mehr für andere Dinge. Die Angst frisst (fast) alles auf, was sich nach Leben anfühlt, macht sich in unserem Leben breit und fett und drückt mit einer Wucht auf unsere Psyche und unseren Körper, dass es uns wortwörtlich den Atem nimmt.

Angst ist eine radikale Aufforderung zur Veränderung. Sie ist kompromisslos, geradeaus und unerhört ehrlich. Sie ist das, was uns vielleicht in unserem Leben abhanden gekommen ist: Ehrlich zu sein mit uns selber, geradeaus für das einzustehen, was wir für richtig und stimmig halten und unsere Gefühle nicht wegzuschieben, sondern als das anzunehmen, was sie schlussendlich auch sind: nämlich als einen Teil von uns selber.

Ich habe mich so lange gegen die Angst aufgelehnt, habe dagegen angekämpft und wollte nicht sehen, dass es leichter wird, wenn ich mir selber zugestehe, dass ich bin wie ich bin, dass es ist wie es nun mal ist und dass sich in meinem Leben ein neues Kapitel auftut, mit dem ich mich anders arrangieren muss. Auch heute noch gibt es diese Tage, an denen ich mein früheres Leben ohne Angst vermisse. Als wirklich noch vieles völlig unbefangen, spontan und ohne grosses Traritrara passieren konnte.

Ich sehe aber auch die Veränderung. Angst lässt uns als Menschen wachsen und das möchte ich nicht mehr missen. Es ist eben nicht alles negativ, sondern wie immer eine Frage der Betrachtungsweise.

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Angst belebt unser Leben

Um seelisch und geistig nicht zu verkümmern, brauchen wir in unserem Leben Herausforderungen. Ich glaube, wenn wir unser Gehirn nicht immer wieder mit neuen Eindrücken und Erlebnissen füttern, wird es sehr träge und faul. Und genau das kann uns mutigen Angsthasen nicht passieren! Wir stellen uns tagtäglich irgendwelchen Herausforderungen und Situationen, die uns unsicher machen. Angst kann uns also dabei helfen, Gewohntes zu durchbrechen, weil wir immer wieder über unseren Schatten springen müssen.

Angst macht kreativ

Ganz egal ob sinnvoll oder nicht: Was wir uns ausdenken, um beispielsweise von A nach B zu kommen, Panikattacken zu überstehen und umzugehen mit den Schwierigkeiten des Alltags, ist sowas von kreativ! Würden wir diese Kreativität in anderen Bereichen des Lebens einsetzen, wir wären unschlagbar:)!!!

Angst lässt uns wachsen

Angst birgt in sich eine Ernsthaftigkeit, die uns als Menschen prägt. Das muss nichts Schlechtes sein. Wir werden reifer, tiefgründiger, bedachter. Und schlussendlich, wenn wir soweit sind, dass wir mit dieser grossen Emotion einen guten Umgang finden und wir gelernt haben, sie als einen Teil von uns zu akzeptieren, kommt die Gelassenheit. Yesss!!!

Angst lässt uns auch über uns selber hinauswachsen. Wir tun Dinge, die uns die Knie schlottern lassen und stellen uns sehr oft mutig gegen unseren inneren Widersacher. Und jedes Mal werden wir stärker. Und grösser. Und GRÖSSER…

Angst bringt uns zu uns selber

Wir kriegen alles mit. Jedes körperliche Unwohlsein, jede Abweichung von unserem „Normal-Zustand“, jede kleinste Gefühlsregung wird sofort registriert, abgespeichert und überprüft. Wir lernen uns so verdammt gut kennen. Vor allem auch dann, wenn wir uns zusätzlich mit unserem Denken beschäftigen, uns selber beobachten und langsam dahinter kommen, was wir eigentlich brauchen, um uns gut zu fühlen.

Angst lässt uns die kleinen Dinge schätzen

Was für andere selbstverständlich ist, wird für Menschen mit einer Angststörung zu einem unbezahlbaren Geschenk. Jede Busfahrt, jeder Spaziergang, jedes Essen mit guten Freunden… alles um uns herum ist Lebensqualität. Kleines wird plötzlich sehr gross und wertvoll. Und wir sind dankbar für alles was uns gelingt und für alles Gute, das in unserem Leben geschieht.

Ich hätte nie gedacht, das ich das jemals sagen würde, aber für diese Wertschätzung der kleinen Dinge, mag ich meine Angst!!!

Wie ist es bei Dir? Warum lohnt es sich für Dich, ein Angsthase zu sein? Hau rein in die Tasten, ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Warum es sich lohnt, ein Angsthase zu sein

    1. Hallo:)… und entschuldige bitte, dass ich mich jetzt erst bei dir melde!! Ich freue mich sehr über deine Nachricht und danke dir sehr für dein Kompliment. Ich hoffe, ich bringe dich auch weiterhin zum Schmunzeln:):)…

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