Alles im Griff?

Heute habe ich meinen Denker-Tag.

Das ist eigentlich nichts Neues, denn ich bin eine Duracell-Denk-Maschine. Kaum wach, ist oben schon die Hölle los und für die nächsten 16 Stunden bin ich sozusagen ständig on air, angeknipst und für fast jeden Gedanken frei verfügbar.

Heute aber, habe ich mir bewusst einige Gedanken machen wollen. Denn es gibt da so eine 21-Tage-Challenge auf Facebook, die ich vor einigen Tagen voll motiviert in Angriff genommen habe. Zum Thema Loslassen, Anders machen, Frei sein. (Hört sich unglaublich vielversprechend an, nicht?:))

Na ja. Auf jeden Fall bin ich schon leicht in Verzug und habe mir heute die Zeit genommen, Tag 6 anzugehen.

Thema: Erwartungen.

Was erwarte ich von anderen? Was glaube ich, erwarten die anderen von mir? Was erwarte ich von mir selber?

Huch! Gute Frage. Die Denk-Maschine ist am rattern. Welche Erwartungen habe ich denn eigentlich an mich selbst? Nicht die Wohnung-muss-sauber-sein-auf-der-Arbeit-erscheint-man-pünktlich-Erwartungen. Ich meine die Wirklichen. Die Echten. Solche, die bereits den Status eines Glaubenssatzes geniessen und das Leben prägen. Erwartungen an mich, die von tief innen kommen.

Nun, ich habe eine gefunden. Eine, die mein ganzes Leben umfasst, mich eingeschlossen. Eine, die kaum Raum lässt für das Offene, Sanfte, Spontane. Ich nenne sie die…

Ich-muss-alles-im-Griff-haben-Erwartung.

Kennst Du auch? Na dann herzlich willkommen! Vielleicht, wenn Du Glück hast, bestimmt diese Erwartung nur einen bestimmten Teil Deines Lebens. Vielleicht hast Du vor allem auf der Arbeit das Bedürfnis, alles im Griff zu haben. Oder in Deiner Beziehung, Deiner Familie.

Vielleicht aber ist es so, dass Dir das Gefühl alles im Griff zu haben dabei hilft, ganz allgemein mit Unsicherheiten klarzukommen. Auch wenn Du weisst, dass dies eine ziemlich fette Lüge ist.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich behaupten kann, dass meine Angst ihren Ursprung in dieser Erwartung hat. Was ich aber mit Bestimmtheit weiss ist, dass meine Angst mir deutlich zu verstehen gibt, dass ich eben nicht alles im Griff habe und dass es einfacher werden würde, wenn ich diese perfektionistische Erwartung an mich selber loslassen könnte und akzeptieren lerne, dass ich nicht alles kontrollieren kann.

Wie kann ich jedoch lernen nicht alles im Griff haben zu müssen? Wie geht das konkret? Wenn ich diese Erwartung loslassen lerne, ist das dann auch gleichzeitig der Weg meine Angst hinter mir zu lassen? Und was passiert denn eigentlich, wenn ich nicht alles perfekt im Griff habe?

Hmmm.

Grübel.

Jetzt wirds persönlich.

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Wenn ich nicht alles im Griff habe, kann ich mir selber nicht vertrauen, denn ich definiere mich stark durch meinen Perfektionismus. Die nötige Sicherheit, die ich brauche um mit der Welt, mir und meinem Leben klarzukommen, kann ich nur aufrechterhalten, indem ich die Oberhand behalte und bei allem was ich tue 100% gebe. (Meistens sind es 120%. Gut ist eben nicht gut genug).

Heisst: Nur wenn ich alles im Griff habe, geht es mir gut. Und das ist richtig schön beschissen, denn ich darf auf keinen Fall versagen, keine Fehler machen und nichts tun, wofür ich oder andere mich kritisieren könnten.

Erst jetzt beim drüber nachdenken und schreiben, wird mir bewusst, wie schrecklich das eigentlich ist und was ich mir dabei antue. Ich kann richtig fühlen, welchen Druck ich mir selber auferlege und wie lieblos ich mich behandle. Und das möchte ich gerne ändern.

Die Frage ist wie. Wie kann ich meine alles-im Griff-haben-müssen-Erwartung verändern? Wie kann ich lernen, mit diesem Antreiber in mir auf angemessene Art und Weise umzugehen, so dass dieser endlich mal die Klappe hält und Ruhe gibt?

Oh Mann, heute ist wirklich mein Denker-Tag:)!

Ich weiss, ich bin nicht alleine mit diesen Gedanken. Bei vielen Menschen, ich behaupte sogar bei den meisten, die unter Ängsten leiden, ist der Perfektionismus und die Angst vor dem Versagen ein grosses Thema in ihrem Leben. Das muss bei Dir nicht so sein, aber ich sehe für mich immer klarer, dass unsere meist strenge Erwartungshaltung uns selber gegenüber und die Angst sich gut ergänzen und dick befreundet sind. Schön für sie, destruktiv für uns.

Ich bin auch immer mehr der Meinung, dass hier mit netten freundlichen Worten nichts mehr zu machen ist. Annehmen? Akzeptieren? Pfff…nützt ja nichts! Den inneren Antreiber muss man bei der Stange halten. Zurechtweisen. Mit den eigenen Waffen schlagen sozusagen. „Mach dich vom Acker, du…“!(Beliebiges Wort einsetzbar)

Zuerst muss uns jedoch bewusst werden, wann wir uns selber klein machen, beschimpfen, überfordern:

  • Du bist nicht gut genug!
  • Das musst du besser machen!
  • Das schaffst du eh nicht!
  • Du bist zu schwach, zu doof, zu dick, zu dünn, zu…blablabla!
  • Jetzt stell dich nicht so an!
  • Alle anderen können das, ICH nicht!

Na, erkennst Du Dich wieder?

Erst wenn uns diese Gedanken, sobald sie auftauchen, bewusst sind, können wir dagegenhalten. Erst dann wird es uns möglich sein, für uns selber einzustehen und in die Wüste zu schicken, was in die Wüste gehört. Wir müssen nicht alles glauben, was wir uns tagtäglich zuflüstern. Und wir müssen auch nicht alles annehmen. Wirklich nicht.

Wenn wir zum Beispiel traurig sind, wird es leichter ums Herz, wenn wir versuchen, die Trauer so anzunehmen wie sie ist. Das ist so. Wenn uns aber unsere eigenen Worte traurig oder wütend machen, wenn wir uns selber beleidigen, beschimpfen oder unmögliches von uns verlangen, müssen wir das auch annehmen? Oder hinnehmen? Ich glaube nicht.

Auf jeden Fall werde ich für mich ein kleines Projekt starten. In den nächsten Tagen werde ich versuchen jeden Mist-Gedanken, der sich gegen mich als Person wendet, vehement zu stoppen und laut oder in Gedanken dagegen zu halten. Ich werde sehen, ob sich in meiner ich-muss-alles-im-Griff-haben-Erwartung und meinem perfektionistischen Denken vielleicht etwas verändert.

Mach mit, wenn Du magst! Schaden kanns nicht:). Und schreib mir, welche Erfahrungen Du gemacht hast. Ich freue mich!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

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