Vertrauen finden – Schritt für Schritt

Wie finde ich Vertrauen in mich?

Wie kann ich lernen, mir selber das nötige Vertrauen zu geben, das ich brauche, um stärker zu werden und mich sicherer zu fühlen?

Kann ich das Vertrauen in mich überhaupt aufbauen oder ist das so eine die-einen-habens-die-anderen-nicht-Sache?

Eine Antwort, die ich in meiner Therapie-Zeit immer wieder zu hören bekam war: Vertrauen kommt durchs Tun. Nur wenn wir uns unseren Ängsten und Schwierigkeiten stellen, können wir erfahren, dass wir in der Lage sind, diese auch zu meistern. Nur so lernen wir, uns selber wieder zu vertrauen und an unsere Fähigkeiten, an unsere innere Stärke zu glauben.

Vollkommen einleuchtend oder?

Für viele scheint dieser Weg der Konfrontation genau der Richtige zu sein, um das Vertrauen in sich selber wieder zurückzugewinnen.  Es gibt unzählige Beispiele auch von Menschen, die ich persönlich kenne, die belegen, dass durch das Tun die eigene Sicherheit wieder aufgebaut werden kann.

Meine Erfahrung sieht da etwas anders aus. Nach unzähligen Herausforderungen, die ich vor allem in den letzten zwei Jahren angenommen habe, nach x-Expositionen, denen ich mich gestellt und so manches Mal richtig durchlitten habe…das Grundvertrauen in mich konnte ich so nicht wieder herstellen. Manche Unternehmungen haben sogar das Gegenteil bewirkt, weil der Druck, mich meinen Ängsten zu stellen, von aussen kam. Klar war es toll, wenn ich etwas geschafft habe, aber die Bereitschaft kam nicht von mir selber, das Vertrauen war schlicht nicht vorhanden. Und die Energie, die ich jedes Mal aufbringen musste, mich zu beweisen, hat mich regelrecht mürbe gemacht. Dies ist einer der Gründe, wieso ich mich vor einigen Wochen dazu entschieden habe, die Therapie zu beenden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich kann dem Aussen nur vertrauen, indem ich mir selber vertraue. Und ich kann nur dann lernen mir zu vertrauen, wenn ich meinen eigenen Weg gehe, auch wenn viele andere vor mir eine andere Richtung eingeschlagen haben. Ich kann Ratschläge annehmen, einiges ausprobieren, mir meine eigene Meinung dazu bilden und dann entscheiden, ob das für mich sinnvoll sein könnte. Aber ich lasse mir keinen Stempel mehr aufdrücken, wie ich was- wann zu tun habe und ob man die Dinge nach Schema X machen muss, damit ein Ziel oder ein erwünschter Zustand erreicht werden kann.

Seit ich bewusster darauf achte, was oder wer mir dabei hilft, mich gut zu fühlen, bin ich besser in der Lage zu entscheiden, was ich nicht mehr in meinem Leben haben will. Dies ist für mich ein ganz schwieriger, aber wichtiger Schritt hin zu mehr Selbstvertrauen. Loslassen können, um mich selber wieder Stück für Stück zu finden. Oder auch nur wahrnehmen, welche Beziehungen, Gewohnheiten und Situationen immer wieder zu Schwierigkeiten führen und mich daran hindern, weiterzukommen.

Andererseits muss ich mich an der Nase nehmen, alles was mir ein gutes Gefühl gibt, auch wirklich in mein Leben zu integrieren und beizubehalten. Meine Lust zu meditieren oder mich gesund zu ernähren, hält sich so manches Mal ziemlich in Grenzen. Ich weiss aber, dass ich auf alles sehr sensibel und relativ schnell gestresst reagiere und dass die Stille, genauso wie gutes Essen, enorm wichtig ist, damit ich mich stabil und gesund fühle. Die Gegenwart hat Auswirkungen auf die Zukunft. Deshalb mach ich es. Lust hin oder her.

Wenn ich also weiss, was gut für mich ist und dies dann auch umsetze, dann nehme ich mich selber ernst. Und wenn ich lernen will, mir selber zu vertrauen, dann kann ich das nur, indem ich mich und meine Bedürfnisse kennen lerne und für mich einstehe. Auch auf die Gefahr hin, Scherben zu hinterlassen.

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Vertrauen aufzubauen ist für mich ein Prozess. Es passiert nicht von heute auf morgen, sondern beinhaltet ein ganzes Stück Arbeit an sich selber. Das ist für uns alle so, ganz egal in welchem Bereich uns das Vertrauen fehlt. Es braucht Geduld, Mut und die Bereitschaft, ehrlich mit uns selber umzugehen und es braucht Zuversicht und eine volle Dosis Hoffnung, dass sich alles zum Besseren wendet.

Für Menschen mit einer Angst-oder Panikstörung kommt hinzu, dass der eigene Körper keine Sicherheit mehr bietet. Panikattacken machen uns schutz-und hilflos und hinterlassen in uns das Gefühl, völlig im Stich gelassen zu werden. Das sind unglaublich einschneidende Erlebnisse, die das Vertrauen in uns, vor allem in der ersten Zeit, total erschüttern können.

Meine allererste Panikattacke bekam ich ziemlich genau vor 16 Jahren. Ich, schwanger, in einem vollgestopften Bus, der aus schnee-technischen Gründen nicht mehr vorwärts kam. Mir ist jedes einzelne Detail noch so genau in Erinnerung, als wäre es gerade erst geschehen. Meine Gefühle, die körperlichen Empfindungen, die beschlagenen Busfenster, der Geruch…alles. Dieses Erlebnis hat meine Welt aus den Angeln gerissen, wie nichts zuvor. Das Vertrauen in meinen Körper war ab da nicht mehr vorhanden.

Nach unzähligen weiteren Attacken hat sich dann in den letzten Jahren so etwas wie eine Gleichgültigkeit eingeschlichen. Ich wusste, das Leben dreht sich weiter, Panik hin oder her. Ich habe resigniert und verdrängt, um mich zu schützen und um nicht allzu viel empfinden zu müssen. Klar, dass auch das gründlich in die Hose ging und mir nichts anderes übrig blieb, als mich ganz ernsthaft mit mir selber auseinanderzusetzen.

Heute verstehe ich, dass ich mein Vertrauen der falschen „Sache“ gewidmet habe: Meinem Kopf! Meinen Gedanken, meinem Verstand, meinem Schwätzer im Oberstübchen, der mich immer und immer wieder und ohne müde zu werden mit unnötigem Gefasel vollquatscht und versucht, mich auf seine Seite zu ziehen. Gedanken sind nichts weiter als Worte, die kommen und gehen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich kann sie betrachten als einen Teil von mir, ohne darauf einzugehen. Und wenn ich auf sie eingehe, dann, weil die Gedanken hilfreich sind. Seit ich dieses Prinzip wirklich zu verstehen versuche und in meinem Alltag umsetze, ist vieles leichter geworden.

Andererseits verstehe ich jetzt auch, wie wichtig es ist, meinem Körper und meinen Emotionen Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken. Gefühle kommen und gehen zwar auch, aber sie haben einen direkten Bezug zum Körper. Wenn ich mehr Vertrauen in mich aufbauen will, muss ich wissen wie mein Körper tickt. Ich muss wissen was er braucht, wie er sich entspannen kann, wann ich mir Ruhe oder Bewegung gönnen sollte. Ich muss auch wissen, dass Gedanken Gefühle auslösen können, die sich dann in meinem Körper als Empfindungen zeigen. Dieses Zusammenspiel zu verstehen hilft dabei, sich nicht allzu sehr verstricken zu lassen und sich selber als Ganzes nicht zu verlieren.

Vertrauen ist eine Oase im Herzen, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird. – Khalil Gibran

Wenn ich darauf achte, mir Gutes zu tun, lerne ich mich wichtig zu nehmen.

Wenn ich mich selber wichtig nehme, lerne ich, mich auf mich selber zu verlassen.

Wenn ich mich auf mich verlassen kann, dann lerne ich mir zu vertrauen…

 

 

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2 Gedanken zu “Vertrauen finden – Schritt für Schritt

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