Ein neuer Tag – Warum sich Zuversicht für dich lohnen wird

Heute möchte ich allen, die unter Ängsten, Panik, Agoraphobie und Depressionen leiden und allen, die mit einer Derealisation und anderen dissoziativen Symptomen zu kämpfen haben, Mut schenken, so gut es mir möglich ist.

Vor rund 15 Jahren stand ich an derselben Stelle, wie auf dem Bild unten zu sehen ist und befand mich in einem entsetzlichen Zustand. Es goss in Strömen, mein kleines Baby lag zugedeckt und schlafend in seinem Kinderwagen und mein einziger Gedanke war der, ob ich so noch weiter leben kann.

Heute weiss ich, dass ich mich damals in meiner ersten schweren Depression und in einem Zustand befand, der in der Psychologie als Derealisation bekannt ist. Aus dieser Derealisation ist dann auch die Angststörung entstanden.

Seither habe ich diesen Ort gemieden wie die Pest. Alleine der Gedanke daran, war für mich über all die Jahre mit heftigen Panikgefühlen und Hilflosigkeit verbunden. Nichts und niemand konnte mich dazu bewegen, auch nur in die Nähe meines ehemaligen Wohnortes zu gehen.

Heute Morgen, kurz nach dem Aufwachen, habe ich mir meine Kamera geschnappt und mich auf den Weg gemacht zu meinem persönlichen Ort des Grauens. 40 Minuten Fahrt unter grosser Anspannung, dann war ich dort.

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Ich sah mein ehemaliges Zuhause. Ich lief den Weg zum Fluss hinunter und stand nach einem kurzen Spaziergang an genau dieser Stelle, die sich so lange in meine Gedanken hinein gefressen hat. Ja, ich hatte Angst. Ich konnte nicht richtig tief atmen und es kamen Erinnerungen und Gefühle hoch, die mich unruhig werden liessen. Aber ich empfand keine Panik. Ich konzentrierte mich auf das, was ich unmittelbar vor mir sehen konnte und nicht auf die Geschichten in meinem Kopf. Und ich versuchte ganz bewusst wahrzunehmen, was in mir passiert und diesen Gefühlen Raum zu geben.

Ich sagte mir, wenn die Panik kommt, dann soll sie kommen. Ich werde mich dieses Mal nicht dagegen wehren. Ich werde so lange in dieser Angst bleiben, bis sie von selber verschwindet. Ich werde es aushalten und dann mit erhobenem Kopf aus der ganzen Sache rausgehen. Und auch wenn ich selber kaum glauben kann, dass ich das wirklich schreibe, aber ich hätte mir heute gewünscht, dass sich die Panik zeigt, weil ich mich bereit dazu fühlte, mich ihr von Angesicht zu Angesicht zu stellen, komme was wolle.

Nun, dieses Mal hat SIE sich nicht getraut, sich an mich ranzumachen. Sie ist es, die heute Schiss bekommen hat:):)…Vielleicht, weil sie gegen meine Entschlossenheit nichts ausrichten konnte. Vielleicht aber auch, weil sie gar keinen Grund hatte, mich zu verunsichern, gegen mich zu kämpfen oder mich zu schützen. Es wäre mir nämlich schlicht egal gewesen. (Oje, jetzt spreche ich über die Panik schon als wäre sie eine Person. Ist das nun bedenklich:)?)

Mich hielt es nicht lange an diesem Ort am Fluss. Er hatte mir nichts Neues zu erzählen. Stattdessen machte ich einen lange Spaziergang. Ich wollte weiter, mich bewegen, wollte das Alte hinter mir lassen, bis auch der letzte Funken Aufregung sich gelegt hat. Nach einer Stunde stieg ich wieder in den Bus, zurück nach Hause.

Warum ich mich gerade heute getraut habe, diesen Schritt zu tun, kann ich nicht erklären. Es war wohl der richtige Zeitpunkt. Ein innerer Impuls und die Gewissheit, dass ich es schaffen kann. Aus Unmöglich ist ein „es-ist-sehr-wohl-möglich“ geworden, quasi aus dem Nichts heraus. Es zeigt mir, dass wirklich jeder neue Tag für etwas steht, das Veränderung bringen kann und dass es sich so sehr lohnt geduldig zu sein.

Wir dürfen uns nicht mehr länger verurteilen für etwas, was heute noch nicht möglich ist. Vielleicht gelingt es uns morgen, in einer Woche, in einem Jahr. Who knows? Aber dass es uns gelingt, indem wir zuversichtlich bleiben und versuchen, unsere Situation wie sie ist anzunehmen, das habe ich heute gelernt.

Wir können am Leben verzweifeln oder wir können uns für etwas wesentlich Bedeutungsvolleres entscheiden. Unsere Haltung kann etwas ausdrücken, das tief in unserem Herzen liegt, etwas, das unserem Leiden Würde verleiht und uns den Willen und den Mut gibt, weiterzumachen. – Russ Harris –

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Ein neuer Tag – Warum sich Zuversicht für dich lohnen wird

  1. Liebe Mutzone,
    erstmal möchte ich dir zu deinem Mut gratulieren! Du hast einen Schritt auf dem Weg deiner Angst gewagt, der sehr wichtig war. Meistens bauen wir aufgrund der Angst ein riesiges Konstrukt auf, das uns abhält die Realität zu überprüfen. Du hast das heute getan und der Angst damit ein kleines Schnippchen geschlagen! Vielleicht hast du sogar an diesem Ort eine gewisse Schönheit sehen können?

    Sonntagsgrüße von Annie

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    1. Vielen Dank für deine Nachricht Annie! Ich konnte sogar sehr viel Schönheit sehen…eigentlich ist es ja nicht der Ort, sondern die Erinnerung und die Vorstellung daran, die schwierig war. Wie so bei manchem…
      Liebe Sonntagsgrüsse zurück!

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