Gib der Angst ein Gesicht – Reden wir darüber!

Ihr Lieben,

Mutzone zeigt Gesicht:)!

Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wer eigentlich hinter dieser Seite steckt? Voilà, hier bin ich!

FullSizeRender

Es ist eine spontane, aber ganz bewusste Entscheidung, mich hier und jetzt „nackig“ zu machen. Eine Entscheidung, vor der ich mich, ich gebe es zu, bisher etwas gescheut habe.

Was, wenn mich jemand erkennt?

Was, wenn alle Welt weiss, dass auch ich zu den 800`000 Schweizern gehöre, die Angst empfinden? ( Das ist die offizielle Zahl. Die Dunkelziffer wird weit grösser sein!)

Angst ist mit so viel Scham verbunden. Auch bei mir. Immer noch.

Angst ist nicht greifbar. Angst ist diffus, unberechenbar. Und Angst öffentlich zu machen und als Teil unserer Gesellschaft anzuerkennen, ist verdammt schwierig. Wer will schon mit seinen Ängsten in Berührung kommen? Oder mit den Ängsten anderer? Freiwillig wohl kaum jemand. Da sind zu viele Hemmungen, zuviel Bedrohendes. Da schauen wir doch lieber weg. Ist einfacher, geht schneller.

Verliere ich jetzt mein Gesicht, wenn ich mich öffentlich zu erkennen gebe? Wenn ich dazu stehe, nicht der „Norm“ zu entsprechen? Bin ich weniger wert, wenn ich den Anforderungen und der Selbstverständlichkeit, wie ein Mensch zu funktionieren hat, nur teilweise gerecht werden kann? Mehr noch, wenn ich diesem Druck gar nicht gerecht werden will?

Bin ich komisch, eigenartig oder durchgeknallt, wenn ich auf viele Situationen, denen ich begegne, sensibel reagiere? Menschenmassen meide? Enge nicht ertrage? Oder mit einem Zuviel an Reizen, die tagtäglich auf uns niederprasseln, nur schwer zurecht komme und mit Panik reagiere? Bin ich anders, nur weil ich nicht schon von Weitem erkennbar „krank“ bin?

Ich will keinen Schutzpanzer um mich herum ziehen müssen, nur weil Angst nicht verstanden wird. Ich will spüren dürfen was ist, will zeigen können wie ich mich fühle und habe den Anspruch frei darüber zu sprechen, ohne deswegen schief angeschaut oder verurteilt zu werden.

Wer sagt uns denn eigentlich, was sein darf und was nicht? Was normal ist? Und was nicht geht? Kann das nicht jeder für sich selber entscheiden? Wir sind so dermassen dazu konditioniert, nach links und rechts zu schauen, nicht aufzufallen und nichts Tiefes, Wesentliches und Echtes von uns preiszugeben, dass wir vollständig verlieren, was uns eigentlich als Menschen ausmacht.

Warum muss sich jemand mit einer psychischen Krankheit schämen, sich verstecken oder im schlimmsten Fall umbringen? Und das in einer Gesellschaft, die sich lobt, grundlegende Werte zu vertreten und ein soziales Sicherheitsnetz zu vermitteln. Warum wird immer noch hinter vorgehaltener Hand über jemanden getratscht, der anders fühlt, anders denkt und anders lebt als die Mehrheit es gerne hätte? Warum glauben wir immer noch, dass Angst unser Fehler ist?

Es erstaunt mich nicht, dass die Zahl der Menschen, die unter einer Angststörung leiden so unfassbar hoch ist. In Deutschland und Österreich wird die Zahl von 800`000 Menschen locker überschritten werden. Hinzu kommt, dass die Angststörung „nur“ eine von vielen anderen psychischen Krankheiten ist. Wie würde es wohl aussehen, wenn alle die unter Borderline, Depressionen, Zwängen, Psychosen, BTBS und  und und…leiden, in die Statistik mit aufgenommen würden?

Wir müssen darüber sprechen. Auch wenn Angst schon längst eine Tatsache ist, wir müssen uns zeigen. Nicht nur für uns, sondern auch für die Generation, die nach uns kommt. Wenn sich im Denken der Gesellschaft etwas verändern soll, dann wird es Zeit, für uns einzustehen. Aufzustehen.

Das muss nichts Grosses sein. Nicht jeder will öffentlich darüber schreiben, so wie ich. Oft ist es auch gar nicht möglich, weil die Kraft fehlt, die Energie, die Motivation, der Sinn. Aber es lässt sich auch im Kleinen viel bewirken. In der Familie. Bei Freunden. Sich anvertrauen. Darauf vertrauen, dass unsere Geschichte bei jemandem, der uns nahe steht, Gehör findet. Je mehr wir uns öffnen, desto mehr Akzeptanz und Verständnis kommt von aussen.

Was wir alleine nicht schaffen, schaffen wir zusammen!

Gib deiner Angst ein Gesicht.

Alles Liebe und viel Mut,

Stephanie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

8 Gedanken zu “Gib der Angst ein Gesicht – Reden wir darüber!

  1. Liebe Stephanie,
    ich finde es sehr mutig von dir dich zu zeigen und es freut mich, dass du damit zu dir selbst stehst! In meiner ersten Zeit des Bloggens blieb ich auch lieber anonym, kein Bild, nur ein kleiner Avatar wie hier bei den Kommentaren. Irgendwann fragte ich mich „Wieso eigentlich nicht zeigen, wer hier schreibt?“ Seitdem ist auf meiner Über Mich Seite ein Bild von mir. Wir können mit diesem kleinen Schritt vielleicht schon eine Einstellung ändern. Immer weiter mutig voran!
    Grüße von Annie

    Gefällt 1 Person

    1. Ach, du bist das:)? Hallo Annie! Freut mich, dich hier wieder zu treffen! Habe vorhin gerade deine FB-Seite geliked…
      Ja, mein Beitrag hat mir Aufwind gegeben. Es wird ja oft vieles klarer, während des Schreibens und es fühlt sich für mich sehr gut an. Bleiben wir mutig!!!
      Viel Liebes für dich,
      Stephanie

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s