Vertrauen finden – nicht ohne meinen Körper

Vertrauen finden – eine gefühlte never-ending-Story in meinem bisherigen Leben.

Dieses starke Gefühl der Sicherheit, diese Gewissheit, dass ich mich beschützt und geschützt fühlen kann, auch wenn ich schutzlos bin…dieses Vertrauen wurde mir nicht in die Wiege gelegt.

Ich habe lange geglaubt, dass ich mir dieses Vertrauen erarbeiten muss, dass ich im Aussen danach suchen muss. In Büchern, Therapien, in Beziehungen.

Heute glaube ich das nicht mehr.

Vertrauen finde ich nur und ausschliesslich in meinem Körper. Nirgends sonst.

Verwurzelung findet nicht über den Kopf statt. Der Verstand kann nicht fühlen. Er berechnet, urteilt, schwätzt, analysiert…aber fühlen kann er nicht. Das kann nur das Herz.

Der Verstand kann sagen: Ich will Heilung, ich will, dass es mir gut geht, ich will dieses und jenes und das Ganze pronto pronto, am liebsten gleich und für immer. Genauso aber identifizieren wir uns immer wieder mit unserer Unsicherheit, unserer Angst, unserer Krankheit oder dem Schmerz. Wir identifizieren uns immer wieder mit dem, was uns fehlt und wie es für uns sein sollte, damit wir endlich endlich glücklich werden.

Das ist Stress pur und kann nicht zu Vertrauen führen. Davon bin ich heute überzeugt.

Vertrauen finde ich, wenn ich darauf höre, wie mein Körper mit mir spricht und diese Impulse dann auch wirklich umsetze. Eben darauf vertrauen lerne, dass mein Körper genau weiss, was er jetzt in diesem Moment braucht.

Fühle ich mich wohl? Was brauche ich hier und jetzt, um mich gut zu fühlen? Wenn ich mich nicht gut fühle, was kann ich verändern? Was würde mir helfen, damit es mir besser geht?

Wenn mich irgendetwas schmerzt, der Kopf, der Rücken, der Bauch…was ist der bessere Weg? Indem ich mich darüber nerve, Widerstände dagegen aufbaue und Medikamente einwerfe, um den Schmerz so schnell wie möglich nicht mehr fühlen zu müssen? Oder lege ich mich vielleicht hin, mit einer Wärmeflasche auf dem Bauch oder einem kalten Lappen auf der Stirn, halte inne, nehme mir die Zeit und bleibe bei dem was sich zeigt?

So ist es auch mit den Gefühlen. Wenn sich die Angst zeigt, dann hat dies einen körperlichen Grund, denn Gefühle manifestieren sich im Körper. Die Angst zeigt sich auch durch den Körper, ganz egal wieviel der Kopf dann noch rein interpretiert. Das können alle bestätigen, die Panikattacken erleben.

Und jeder, der regelmässig daran „arbeitet“, sich zu entspannen, in Form von Achtsamkeitsübungen, BodyScan, progressive Muskelentspannung usw., spürt unmittelbar die beruhigenden Auswirkungen auf den Körper. Der Stress  nimmt ab, der Atem kann wieder ruhiger fliessen, die innere Ruhe kommt langsam wieder zum Vorschein.

Das ist ein Prozess. Ein-Sich-Wieder-Herantasten, ein Vertrauen darauf, dass der Körper uns genau zu verstehen gibt, was er braucht.

Natürlich sind wir anders konditioniert. Der Verstand ist das höchste Gut in unserer Gesellschaft. Höher, weiter, schneller…so läuft der Hase. Funktionieren, wegstecken was nicht passt, weitermachen. Immer weitermachen.

Es ist ein Glück (und jetzt lehne ich mich sehr weit aus dem Fenster) wenn wir gestoppt werden. Es ist ein Glück, aus diesem immer schneller drehenden Rad aus Verpflichtungen, Erwartungen und dieser lieblosen und für mich sinnlosen Art zu leben, in hohem Bogen herauszufliegen.

Und ja! Es schmerzt!! Das Gefühl oder unser Glaube, nicht mehr in das gängige Raster zu passen, sich nicht mehr einordnen und zuordnen zu können, kein voll funktionierendes Teilchen mehr zu sein, das sich perfekt und stillschweigend unterordnen kann, das tut verdammt weh. Daran leiden wir. Für das verurteilen wir uns und fühlen uns ohne Wert.

Ich habe lange darunter gelitten und tue es auch heute noch ab und zu, dass ich diesem Gesellschafts-Konzept, dieser „Normalität“ den Rücken zukehren musste. Dass ich mir eingestehen musste, mich nicht mehr fähig zu fühlen, diesen Wahnsinn mitzumachen.

Heute sehe ich, dass es eine Chance war. Sicherheit verlieren macht grosse Angst. Aber wir erhalten im Gegenzug die Zeit, uns um das Wichtigste zu kümmern, das wir haben: Uns selber. Wir entdecken uns neu. Wir werden in einer Krise so sehr auf uns selber zurückgeworfen, dass vieles von dem, was für uns einmal wichtig war, keine Relevanz mehr hat. Wir begreifen, dass eigentlich nur das zählt, was in uns passiert, weil wir in uns selbst unsere Welt erschaffen.

So kommen wir langsam wieder ins Vertrauen. Weil sich jetzt das Echte zeigt, das was uns wirklich ausmacht. Keine Maske mehr, kein Fake, keine Spielchen. Es geht nur noch darum, zu sich selber wieder eine Verbindung aufzubauen. In sich selber Sicherheit finden. Und hier ist unser Körper die einzige ehrliche Hilfe und Möglichkeit, dies in unserem Tempo auch zu tun.

Lasst uns wegkommen von diesem Analysieren und diesem Psychosomatik-hier-Psychosomatik-da-Blabla. Das sind alles rein intellektuelle Betrachtungsweisen. Lasst uns davon Abstand nehmen, uns mit der Angst oder der Diagnose, die wir über uns erhalten haben, zu identifizieren. Wir sind nicht unsere Angst und wir sind auch nicht die Diagnose, die irgend jemand über uns erstellt hat, ohne uns wirklich tief zu kennen. Wir sind alle weit mehr als das!!!

Wir sollten uns wieder von uns selber berühren lassen, darum gehts. Uns wieder um uns kümmern und das, was in uns auftaucht, auftauchen lassen, ohne ständig nach dem Warum zu forschen. Es ist da, weil es da ist. Punkt. Wir sollten wieder lernen, uns selber mir Freundlichkeit zu begegnen. Mit Verständnis und Milde.

Und ab und an auch mit einer richtig dicken Umarmung…

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